Frank Tentler – eine typische Heldenreise von den Anfängen des Internet bis heute

Der Mann ist auf jedem Barcamp oder jeder Konferenz schon von weitem zu sehen. Er ist der mit dem Hut. Viele kennen ihn als Mr. stARTconference und als Social Media Berater erster Stunde. Als wir vor gut zweieinhalb Jahren das erste Mal mit Frank Tentler per Skype Kontakt hatten, war klar: das ist einer, mit dem wird man schnell warm. Wir waren damals sofort eingenommen von seiner menschlichen Art und dem Vertrauen, das er uns Herbergsmüttern entgegenbrachte. Nun ist er schon zum dritten Mal unser Unterstützer beim stARTcamp Köln  und wir durften ihn in den vergangenen Jahren etwas näher kennenlernen. Was wir entdecken konnten, ist eine äußerst interessante Biografie. Wir finden, die ist es wert, auch einmal ausführlicher erzählt zu werden. Denn es ist eine dieser exemplarischen Geschichten von einem der auszog, das Internet zu entdecken.

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Foto: Oliver Schwarz

Aufbruch

Als Frank das erste Mal von seinem Werdegang erzählte, kam uns sofort diese Idee in den Kopf: das klingt irgendwie nach dem Muster einer klassischen Heldenreise.  Diese beginnt in der Regel mit dem Aufbruch aus dem Alltäglichen in eine neue, unbekannte Welt.

Frank wollte eigentlich Meeresforscher werden. Am Ende des Studium der Tiermedizin sah er aber keine Chance auf einen der wenigen Fachtierarzt-Plätze und musste sich neu orientieren. Ein Besuch in England und dort der erste Kontakt mit dem Internet, brachte ihn auf eine Idee: Er kaufte 1995 einen Bioladen mit dem Ziel, neben dem stationären Handel einen Online-Handel zu aufzubauen. Über 9 Jahre entwickelte sich über eine Homepage, E-Mail-Bestellungen und einem ersten Shop-System der erste Online-Lieferservice für Bio-Produkte in Deutschland. Das Projekt wuchs mit der zunehmenden Akzeptanz des Internets rasant, so dass der Plan aufkam, sich ganz auf den Online-Shop mit Lieferservice zu konzentrieren. Er suchte nach einem Partner, mit dem er das gemeinsam professionell aufziehen konnte und fand ihn 2004 in einem dynamischen Bio-Jungbauern

Übergang

Frank erkannte: diese Schwelle muss er übertreten und sich den neuen Herausforderungen stellen. Think Big schien ihm die richtige Strategie. Mit seinem Geschäftspartner entwickelte er eine neue Marketingidee für seinen Biohandel. Eine Art Radio-Reportage im Internet. 2005 machte er mit  Podcasts der ersten Stunde Furore. Eigentlich dazu erfunden, den Bio-Handel zu unterstützen. Doch schon bald verselbständigte sich das Projekt. „Wir haben den Bio-Bauern morgens aufs Feld begleitet und ihn interviewt, wie er seine Kartoffeln streichelt“, erzählt Frank. Solche persönlichen Reportagen kamen gut an. So gut, dass bald auch große Firmen anklopften. Nokia fragte, ob man nicht auch etwas für sie machen könne. Und so wurde Frank immer weiter in das Terrain des World Wide Web hineingezogen. Hier war alles neu. Viel Aufregung und eine gewisse Goldgräberstimmung elektrisierte alle Akteure.

Prüfungen

Dem klugen Rat seiner Frau folgend, verkaufte Frank kurz vor einem drohenden Burnout wegen Arbeitsbelastung seinen Teil des Biovertriebs und kümmerte sich fortan um das neue Business „Online Marketing“.  Zunächst alleine war er auf der Suche nach innovativen Ideen und so erlebte er den Hype um die Geschäftsmodelle im Internet hautnah. 2005 sicherte er sich die Online-Marketingrechte für die Oberhausener Kurzfilmtage.

In Deutschland und Großbritannien brachte er mit zwei befreundeten Partnern 2006 ein Start-Up-Unternehmen an den Start. UMTS und die neuen mobilen Vernetzungs-Möglichkeiten lockten. Frank und seine Geschäftspartner arbeiteten an einer Idee, die ein vielversprechendes Internet-Tool werden sollte. Daneben tauchten in Großbritannien äußerst interessierte Auftraggeber auf, die diese Technologie und die Erfahrungen im Online-Marketing für ihre Kampagnen einkauften. Aussicht auf richtig viel Geld winkte, als ein engagierter Investor für das Start-Up gefunden wurde.

Doch dann geschah etwas, was keiner vorhergesehen hatte. „Die Gier, eine gewisse Unersättlichkeit unter uns Geschäftspartnern hat alles zerstört“, sagt Frank heute. Man habe einfach den Horizont aus den Augen verloren. Das war wohl seine schmerzhafteste Prüfung in dem ganzen Abenteuer. Es blieb die Erkenntnis, dass die Dinge schnell entstehen, aber genauso schnell wieder vergehen können. Wenn man sie nicht ausreichend hinterfragt und bedenkt.

Rückkehr

Big Business, die Internetblase, menschliche Inkompetenzen – all dies sind Prüfungen, die Frank Tentler überstanden hat. Mit Enttäuschungen und Blessuren. Sie haben ihn aber auch zu dem gemacht, was er heute ist. Noch einmal von vorne anfangen? Gestärkt durch die Fehler die hinter ihm liegen, nutzt Frank Tentler seine Erfahrungen und knüpft an alte Kontakte an. Nun ist er wie der Protagonist der klassischen Heldenreise, der als Herrscher zweiter Welten in sein altes Leben zurückkehrt. Mit dem Elixier der Erkenntnis in seinem Rüstzeug. In Franks Fall ist dies das Wissen um das rechte Maß!

Einer der ersten großen Aufträge, die er 2008 annimmt, ist direkt einer, der Geschichte geschrieben hat. Erstmals machte sich mit den Duisburger Philharmonikern  ein Orchester auf, die digitale Welt zu erkunden. Und Frank hilft ihnen dabei. Jetzt weiß er, dass es neben den ganzen Tools und Plattformen vor allem die Menschen sind, die zählen. Und ihm gelingt es, zu vermitteln, dass Content als wichtigstes Kapital für die Kulturschaffenden in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen wird. Es gibt viel Überzeugungsarbeit zu leisten, denn die Berührungsängste mit dem Internet sind groß. Dass die Online-Aktivitäten der Duisburger Philharmoniker mittlerweile wieder eingeschlafen sind, zeigt: Es ist immer noch eine Menge zu tun für Menschen wie Frank Tentler.

Heute arbeitet er auch für Kunden aus Medien und Wirtschaft, die er vor allem in einer nachhaltigen und erfolgreichen Interaktion mit den Nutzern der sozialen Netzwerke berät. Wenn es ihm dann gelingt, hier Unterstützer für Kulturprojekte im Web zu gewinnen, freut er sich umso mehr.

2009 das nächste große Wagnis: die stARTconference  wird ins Leben gerufen. Ein breiter Kosmos an Satellitenveranstaltungen ist daraus entstanden und mittlerweile gibt es zahlreiche Kulturprojekte, die im Internet gut funktionieren. Frank Tentler, der Mann mit dem Hut ist weiterhin dabei – mit Bedacht, mit einem großen Netzwerk an Mitstreitern und mit Leidenschaft. Bei allen innovativen Projekten hat er aber auch eines immer eines im Blick: die Balance zwischen Arbeit und dem privaten Leben zu erhalten. Auch so eine Erkenntnis seiner Heldenreise im Web.

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Frank im Gespräch mit @Museumsheld
Foto: Oliver Schwarz

Wir sind auf jeden Fall froh, ihn an unserer Seite zu wissen. Als Unterstützer unserer eigenen kleinen Heldenreise, die wir mit den stARTcamps immer wieder unternehmen.

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